Kornfeld-Kuddelmuddel

Ein Sommertag zwischen Ähren und Abenteuer

Im Herzen eines weiten, sonnengelben Kornfeldes, wo die Halme rascheln wie ein altes Radio und die Grillen Konzerte veranstalten, lebten viele kleine Bewohner – und alle hatten eines gemeinsam: Sie hielten sich für die wichtigste Figur im Feld.

Da war zum Beispiel Gertrud Grille, die Opernsängerin mit sechs Beinen und noch mehr Selbstbewusstsein. Jeden Morgen zirpte sie ihr Lieblingslied:
Zirrr-zirrrr! Ich bin die Königin vom Kornfeld! Zirrr!
Die anderen schauten meist betreten zur Seite, wenn sie loslegte – besonders Benni Blattlaus, der ständig an Gertruds Tönen Schluckauf bekam.

Benni lebte auf einem Halm namens Karl. Ja, richtig gelesen – das Korn selbst hieß Karl.
„Ich bin ein stolzes Bio-Korn“, sagte Karl gern. „Unbehandelt, unverbogen, ungespritzt. Ich werde mal ein Müsli-Star!“
Benni rollte dann mit den Augen – so viel Eitelkeit hatte er seit der Parade der Marienkäfer nicht gesehen.

Nicht weit von Karl entfernt wohnte Nelli Nacktschnecke, die sich für eine Abenteurerin hielt. „Ich bin zwar langsam, aber sehr geheimnisvoll“, hauchte sie stets. Sie trug eine Mini-Karte vom Feld unter ihrem Bauch – leider war sie aus Zuckerpapier und klebte ständig fest.

Über ihren Köpfen schwebte Friedrich Fasan, der sich für einen König hielt, nur weil er einmal beim Bauern im Kalender entdeckt hatte, dass Fasane selten seien. Seitdem spazierte er mit aufgeplusterten Federn durchs Feld und rief:
„Achtung! Majestät unterwegs! Platz da für Friedrich den Fabelhaften!“

Doch der heimliche Star war Motte Monika, die heimlich abends Geschichten erzählte. Sie war zwar etwas flatterhaft, aber sie konnte so wunderbar erzählen, dass selbst Karl für einen Moment vergaß, dass er ein Star werden wollte.

An diesem ganz besonderen Sommertag aber geschah etwas Seltsames.

Eine Drohne!

Sie schwirrte plötzlich über das Feld – laut, riesig und mit einer Kamera! Alle gerieten in Panik.

„UFO!“, kreischte Gertrud Grille und warf sich dramatisch in einen Kleeblattbusch.
„Sie wollen mich entführen, weil ich so saftig bin!“, heulte Benni Blattlaus.
„Bleibt ruhig! Ich rette euch alle!“, rief Friedrich Fasan – und rannte direkt gegen einen Strohhalm.

Nur Nelli Nacktschnecke schob sich gelassen unter ein Blatt und murmelte: „Die Technik macht uns alle verrückt.“
Monika Motte nutzte den Moment und erzählte der Drohne ein Gedicht. Die Kamera zoomte auf sie – und sie flatterte wild vor Freude.
„Ich bin berühmt!“, rief sie.
„Endlich jemand aus unserem Feld, der ins Fernsehen kommt“, seufzte Karl neidisch.

Doch dann – ein Windstoß! Die Drohne taumelte, die Kamera wackelte, Friedrich rief „Deckung!“, und Benni landete aus Versehen auf Nelli.

„Oooohh… mein Rücken!“, stöhnte sie.
„Das war Absicht!“, keuchte Benni.
„Ich bin ein Blattlaus, kein Akrobat!“

Die Drohne flog weiter. Zurück blieb ein zerzaustes, aber glückliches Feld.
Gertrud stimmte ein leicht schiefes Lied über Mut und Gemeinschaft an. Friedrich hielt eine Rede über wahre Helden. Karl schrieb sich selbst ein Gedicht („Ähre, die Ehre!“), und Nelli murmelte leise: „Vielleicht sollten wir öfter zusammen verrückt sein.“

Und Monika?
Sie flog los. „Ich mache jetzt Karriere beim Wetterbericht“, rief sie. „Oder vielleicht bei Netflix.“