Prolog – Die Akademie der Fragwürdigbegabten

Eine Einladung, die keiner verschickt haben will

Es gibt Schulen, in denen man lernt, wie man ein Gedicht interpretiert. Es gibt Schulen, in denen man lernt, wie man Raketen baut. Und dann gibt es eine Schule, in der man lernt, wie man eine Socke verschwinden lässt, ohne sie je besessen zu haben.

Diese Schule gibt es nicht in Katalogen. Sie hat keine Website, keinen Tag der offenen Tür und schon gar keinen Förderverein. Sie erscheint, wenn man sie am wenigsten erwartet – oder wenn man sie am dringendsten braucht. Je nachdem, wen man fragt. Die Akademie der fragwürdig Begabten ist kein Ort. Sie ist ein Zustand. Ein Konzept. Eine Art aus dem Ruder gelaufene Idee mit Kantine.

Hier landen all jene, die durch jedes Raster gefallen sind. Die nicht passen. Die zu viel können oder zu wenig – oder einfach das Falsche, aber auf spektakuläre Weise. Niemand bewirbt sich. Niemand meldet sich freiwillig. Und doch tauchen irgendwann bei jedem von ihnen merkwürdige Dinge auf: sprechende Wandkalender, teleportierende Frühstückseier oder – wie in Malwines Fall – ein Brief, der nach Bratensoße riecht.

Die Lehrer dieser Akademie sind entweder freiwillig da – oder wurden beim Versuch, zu kündigen, in Briefmarken verwandelt. Die Schüler haben alle etwas gemeinsam: ein Talent, das schwer zu erklären ist und unmöglich zu ignorieren. Die Gänge dieser Schule krümmen sich manchmal selbst, die Uhren gehen absichtlich falsch, und das Pausenklingeln klingt je nach Stimmung nach Elefantenorchester oder zerknülltem Alufolie.

Die Akademie der fragwürdig Begabten existiert. Irgendwo. Oder überall. Das hängt von der Blickrichtung ab. Und von der Bereitschaft, Unsinn zuzulassen.

Dies ist die Geschichte von Malwine Morgenroth. Ein Mädchen, das alles andere war als besonders – außer in Momenten, in denen genau das gebraucht wurde.

Ihre Reise beginnt mit einem Brief, den niemand geschrieben hat. Und einem Toaster, der das nicht überlebt hat.