Eine große alte Bahnhofsuhr zeigt Wochentage, zwischen Dienstag und Donnerstag fehlt ein Feld

Die Uhr mit dem fehlenden Mittwoch

Die Uhr hing in Pias Werkstatt und zeigte neben der Zeit auch den Wochentag. Eines Morgens sprang sie von Dienstag direkt auf Donnerstag. Pia hielt das für einen Defekt. Doch draußen lief ebenfalls Donnerstag. Der Kalender, die Zeitung und sogar ihr Telefon bestätigten es.

In der nächsten Woche geschah dasselbe. Niemand außer Pia schien den Mittwoch zu vermissen. Die Menschen freuten sich über kürzere Arbeitswochen. Liefertermine wurden angepasst, Schulen strichen Fächer, und der Bürgermeister erklärte den fehlenden Tag zur Effizienzsteigerung.

Pia zerlegte die Uhr. Im Werk fehlte ein Zahnrad, auf dem „Mittwoch“ eingraviert war. In einer Schublade fand sie die Aufzeichnungen ihres Großvaters. Er hatte die Uhr gebaut, nachdem an einem Mittwoch ein Streit seine Familie getrennt hatte. Sein Wunsch, diesen Tag nie wieder erleben zu müssen, war offenbar in das Werk geraten.

Mit jedem übersprungenen Mittwoch verschwanden jedoch mehr Dinge. Der Wochenmarkt fiel aus. Pias Nachbarin verpasste ihre Therapiegruppe. Kinder konnten sich nicht erinnern, dass sie mittwochs bei ihren Großeltern gewesen waren. Unangenehme Gespräche verschwanden ebenso wie Musikstunden, Verabredungen und kleine Gewohnheiten.

Pia suchte das Zahnrad. Sie fand es im Gehäuseboden, eingeklemmt unter einer Feder. Als sie es einsetzen wollte, erschien ihr Großvater in der Spiegelung des Uhrenglases, jung und wütend. „Manche Tage verdienen es nicht, wiederzukommen“, sagte er.

Pia dachte an ihre eigenen schwierigen Mittwoche. An einem hatte sie eine Prüfung nicht bestanden, an einem anderen eine Beziehung beendet. Doch an Mittwochen hatte sie auch neu begonnen, sich entschuldigt und gelernt. Ein Wochentag war kein Behälter für nur eine Erinnerung.

Sie setzte das Zahnrad ein. Die Uhr schlug dreizehnmal. Sofort war Mittwoch. Die Stadt geriet durcheinander. Termine kollidierten, der Markt wurde hastig aufgebaut, und viele Menschen glaubten, einen Tag zu viel erhalten zu haben.

Pia stellte die Uhr ins Schaufenster. Darunter schrieb sie: Repariert – läuft auch durch unbequeme Zeiten. Einige Kunden beschwerten sich. Die meisten gewöhnten sich wieder an sieben Tage.

Manchmal stockt die Uhr in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Dann gibt Pia dem Gehäuse einen sanften Stoß. Nicht jeder Tag wird gut, weiß sie. Aber ausgelassene Zeit löst nichts. Sie nimmt nur die Möglichkeit mit, dass gerade mitten darin etwas anders werden könnte.