Ein Versicherungsmakler sitzt unter einem Regenschirm, während eine kleine Regenwolke ein Formular ausfüllt

Herr Schröder gründet eine Wolkenversicherung

Herr Schröder gründete die erste Wolkenversicherung. Gegen einen kleinen Beitrag versprach er Entschädigung, wenn Regen Hochzeiten, Grillfeste oder frisch gewaschene Autos störte. Das Geschäft lief hervorragend, weil alle über Wetter klagten und kaum jemand die Bedingungen las.

Im Kleingedruckten stand, dass nur „unangekündigter Niederschlag aus eindeutig zurechenbarer Wolke“ versichert war. Herr Schröder lehnte fast jeden Antrag ab. Mal war der Regen angekündigt, mal ließ sich die zuständige Wolke nicht identifizieren.

Eines Morgens schwebte eine kleine graue Wolke in sein Büro. Sie hieß Nimbus 17 und legte ein nasses Formular auf den Tisch. Sie forderte Schadensersatz, weil ein Stadtfest sie mit Ventilatoren, Silberfolie und lauter Musik vertrieben hatte. Dabei sei ihr Rand ausgefranst worden.

Herr Schröder erklärte, Wolken seien nicht versicherte Personen. Nimbus 17 regnete auf seinen Drucker. Der Fall sprach sich herum. Weitere Wolken meldeten Schäden durch Feuerwerk, Abgase und unrealistische Schönwetterversprechen.

Ein Gerichtstermin wurde angesetzt. Als Zeugin erschien die Wetterbeobachterin Frau Lim. Sie erklärte, Wetter sei kein Lieferdienst. Regen könne Schäden verursachen, aber auch Gärten, Flüsse und Felder versorgen. Wer nur sonnige Veranstaltungen plane, trage selbst ein gewisses Risiko.

Herr Schröder verlor den Prozess nicht, gewann ihn aber auch nicht. Er musste seine Bedingungen verständlich formulieren und einen Fonds für wetterfeste Planung einrichten. Statt jeden Regentropfen zu entschädigen, bezahlte die Versicherung Zelte, Abflussrinnen und Ausweichtermine.

Nimbus 17 erhielt eine Reparaturpause über dem Stadtpark. Dort regnete sie zwei Tage sanft und sah danach deutlich runder aus. Herr Schröder bekam als Vergleich einen zuverlässigen Wetterbericht und einen Kurs im Lesen von Wolken.

Die Versicherung existiert noch. Ihr Slogan lautet nun: Wir können das Wetter nicht ändern, aber gemeinsam besser vorbereitet sein. Das ist weniger spektakulär, führt jedoch zu weniger Klagen.

Bei Betriebsfesten stellt Herr Schröder immer ein Zelt auf. Nimbus 17 kommt manchmal vorbei. Sie hält sich meistens zurück. Nur wenn jemand laut behauptet, Regen sei grundsätzlich schlechtes Wetter, lässt sie exakt einen Tropfen in dessen Getränk fallen. Dieser Schaden ist ausdrücklich nicht versichert.