Hohenbrück besaß nach Meinung des Bürgermeisters das schönste Mondlicht der Region. Als eine Filmfirma anfragte, ob sie es für drei Wochen exklusiv mieten könne, sagte er zu. Das Geld sollte den Dorfbrunnen reparieren.
Die Filmleute spannten eine riesige silberne Leinwand über den Hügel und leiteten das Mondlicht zum Set. Im Dorf blieb es nachts dunkel. Zunächst fanden alle das romantisch. Dann verirrte sich der Bäcker auf dem Heimweg, Hühner standen zur falschen Zeit auf, und die Nachtwandergruppe wanderte versehentlich in den Geräteschuppen.
Die Bewohner verlangten ihr Mondlicht zurück. Der Vertrag versprach jedoch „vollständige nächtliche Exklusivität einschließlich Reflexionen in Pfützen“. Selbst Mondflecken in Schlafzimmern gehörten vorübergehend der Filmfirma.
Die Kinder gründeten eine Rückholaktion. Sie stellten Spiegel in Gärten und fingen kleine Lichtreste ein, die an der Leinwand vorbeigingen. Bald glitzerten überall Töpfe, Fahrradreflektoren und alte CDs. Das Dorf war heller, aber auch so chaotisch, dass Autofahrer glaubten, ein Ufo sei gelandet.
In der dritten Nacht erschien der Mond ungewöhnlich tief. Er war mit dem Vertrag nicht einverstanden. Auf der Leinwand stand plötzlich in heller Schrift: Ich wurde nicht gefragt. Danach wanderte das Licht einfach um die Anlage herum und schien wieder auf Hohenbrück.
Die Filmfirma drohte mit Schadenersatz. Der Bürgermeister erklärte, er habe nur die örtliche Nutzung vermietet, nicht die Zustimmung des Mondes. Da niemand beweisen konnte, wem Mondlicht gehörte, einigte man sich. Die Filmcrew durfte weiterdrehen, aber nicht mehr exklusiv.
Der Brunnen wurde trotzdem repariert, weil die Produktionsfirma das Dorf inzwischen als Kulisse nutzte. Im fertigen Film war die Spiegelaktion zu sehen und galt als besonders fantasievolle Szene.
Hohenbrück beschloss eine neue Satzung. Darin steht, dass Mondlicht, Sternenschein, Wind und Vogelgesang nicht vermietet werden dürfen. Der Bürgermeister behauptet, dies sei ein europaweit einmaliger Schutz natürlicher Gemeingüter.
Bei Vollmond treffen sich die Bewohner am Brunnen. Sie schalten alle unnötigen Lampen aus und genießen das Licht, ohne Eintritt zu verlangen. Nur der Mond wirft manchmal einen besonders hellen Fleck auf das Rathaus. Einige halten das für Dank. Andere für eine regelmäßige Kontrolle, ob niemand wieder Verträge vorbereitet.

