Das neue Tor bestand aus einer einzigen, massiven Scheibe – klares, schimmerndes Glas, das dennoch keine Sicht gewährte. Es war, als blicke man in eine feste Wand aus Licht. Die Schnabelpfoten standen zögernd davor.
„Wir könnten versuchen, sie zu berühren“, schlug Basil vor, seine Stimme zitterte leicht.
Saphira trat näher und legte ihre Pfote an das Glas. Es fühlte sich warm an – fast lebendig.
Plötzlich pulsierte die Oberfläche, und ein Bild erschien. Kein Ort, keine Karte – sondern ein Gesicht. Rosas Gesicht.
Doch etwas stimmte nicht.
Die Spiegel-Rosa
Die Augen in dem Gesicht waren leer. Keine Farbe. Kein Glanz. Und doch – es war eindeutig Rosa.
„Sie sieht uns nicht“, flüsterte Trixie.
„Vielleicht… vielleicht ist das nur ein Echo“, sagte Korax. „Ein Schattenbild von ihr.“
„Dann ist sie in Gefahr“, knurrte Saphira. „Denn das Ding da – das ist nicht Rosa.“ Das Bild verzerrte sich, zerbrach in Wellen. Dann erschien ein Symbol: Drei ineinander verschlungene Spiralen. Es leuchtete kurz auf – und das Glas begann zu zerfallen.
Nicht laut, nicht krachend – sondern lautlos, in feinem Staub, der im Licht tanzte.
Hinter dem Tor lag ein Raum aus Metall und Holz – wie eine Werkstatt, aber älter. Verlassene Werkzeuge lagen herum. Und in der Mitte: eine mechanische Kugel.
Die Stimme aus dem Kern
Kaum waren sie eingetreten, begann die Kugel zu vibrieren. Lichtstrahlen zuckten aus feinen Ritzen.
Dann ertönte eine Stimme:
„Zugriff erkannt. Identität: Basil. Funktion: Finder.“
Alle starrten das kleine Eichhörnchen an.
„Ich?! Was hab ich denn getan?“
„Gedächtnis aktiviert. Archiv geladen.“
Die Kugel öffnete sich wie eine Blüte. In ihrem Inneren: Hunderte kleiner Scheiben – jede mit Zeichen versehen.
„Die Hüter der Stadt. Fünf Namen. Ein Pfad.“
Eine der Scheiben schwebte heraus – und landete in Basils Pfoten. Sie war warm.
„Das ist… eine Speicherplatte“, murmelte Emil. „Alt. Aber nicht unlesbar.“
„Was steht drauf?“ fragte Lotte.
Basil schaute auf die Rückseite. Da war ein einziges Wort eingraviert:
„Anfang“
Die verborgene Treppe
In der hinteren Wand der Werkstatt öffnete sich lautlos ein Durchgang. Eine Wendeltreppe führte in die Tiefe. Die Stufen waren aus Metall, doch jeder Schritt klang anders – als spiele man eine Melodie.
„Der Weg wird steiler“, sagte Korax. „Aber ich glaube, das ist der einzige Pfad.“
„Wohin führt er?“ fragte Emil.
Korax antwortete nicht sofort. Dann sagte er: „Ins Herz der Stadt. Oder zu ihrem Ursprung.“
Abschied vom Licht
Als sie die Treppe betraten, verdunkelte sich das Licht über ihnen langsam. Wie eine Dämmerung, die nicht zur Nacht führte – sondern zum Unbekannten.
Basil, der die Speicherplatte festhielt, murmelte leise: „Ich glaube, wir sind nicht mehr weit davon entfernt, Rosa wiederzufinden.“
„Und das andere?“ fragte Trixie.
„Den Schatten?“
Korax nickte. „Er wartet.“
Und während die letzten Strahlen verschwanden, hörte man wieder das Wispern.
Leise.
Beharrlich.
„Sie kommen…“

