Die Schnabelpfoten – Folge 29: Der Gang aus Licht – Titelbild

Die Schnabelpfoten – Folge 29: Der Gang aus Licht

Kaum hatten die drei Namen das Portal geöffnet, war es, als hätte sich die Luft selbst verändert. Die Mauern aus Stein verschwanden in einem flimmernden Dunst, und ein Korridor aus schwebenden Lichtstreifen tat sich auf – endlos, schwerelos, still.

„Das sieht… gar nicht nach unserer Welt aus“, murmelte Emil, während er einen Pfotenballen vorsichtig auf den ersten Lichtstreifen setzte. Doch er trug.

„Wir sind jenseits der Karten“, sagte Korax. „Kein Atlas kennt diesen Ort.“

Die Schnabelpfoten schritten nacheinander in den Gang. Der Boden unter ihnen pulsierte wie das Schlagen eines Herzens, und an den Wänden erschienen flüchtige Schatten – Erinnerungen vielleicht, oder Warnungen.

Die verlorenen Stimmen

Trixie blieb kurz stehen. „Habt ihr das gehört?“

Ein Wispern lag in der Luft. Worte, aber ohne Sprache. Gefühle, aber ohne Körper. Das Flüstern erinnerte an Rosa – doch auch an etwas anderes. Etwas… Älteres.

„Das sind die Stimmen derer, die vergessen wurden“, sagte Korax. „Sie suchen Erinnerung. Oder Befreiung.“ „Und wir suchen Rosa“, sagte Saphira entschlossen. „Kommt.“

Das Labyrinth der Gedanken

Plötzlich bog der Gang scharf ab – nicht wie ein Tunnel, sondern wie ein Gedanke, der eine andere Richtung einschlägt. Der Pfad teilte sich in fünf. Ohne Beschilderung. Ohne Hinweise.

„Das ist eine Prüfung“, sagte der Archivarius, der ihnen gefolgt war. „Jeder von euch muss einen Pfad gehen. Erst dann wird sich der Kern offenbaren.“

Wortlos nickten die fünf. Sie hatten schon zu viel gemeinsam erlebt, um sich jetzt zu fürchten. Einer nach dem anderen verschwand in seinem Lichtgang.

Basils Pfad – Die Uhr des Anfangs

Basil fand sich in einem Raum wieder, der wie das Innere einer gigantischen Uhr wirkte. Zahnräder aus Licht bewegten sich in langsamen Kreisen. In der Mitte hing eine Pendeluhr – aber sie lief rückwärts.

„Deine Erinnerung ist nicht, was war. Sondern, was hätte sein können“, sagte eine Stimme.

Er drehte sich – niemand da. Doch als er die Uhr berührte, erschien eine Szene: Ein Baumhaus, das er nie gebaut hatte. Freunde, die er nie traf. Aber die Sehnsucht blieb.

„Wähle nicht, was du verloren hast. Wähle, was du schützen willst.“

Er streckte die Pfote aus – und wurde zurückgezogen.

Trixies Pfad – Der Turm der Masken

Trixie betrat einen hohen Raum, dessen Wände mit tausenden Masken bedeckt waren. Jede spiegelte einen anderen Ausdruck – Angst, Freude, Wut, Gleichgültigkeit.

In der Mitte stand ein Spiegel. Doch er zeigte kein Spiegelbild.

„Du versteckst dich hinter der Maske der Klugheit“, sagte eine Stimme. „Aber auch du hast Angst.“

Sie trat näher. Eine Maske fiel vom Regal – zerbrach.

Darunter war ein kleines, unscheinbares Gesicht: ihres.

„Nur wer sich selbst sieht, kann andere wirklich erkennen.“

Sie lächelte – und der Spiegel zeigte ihr Rosa.

Dann wurde sie zurückgezogen.

Lottes Pfad – Der Pfad des Vertrauens

Lotte fand sich in völliger Dunkelheit wieder. Keine Geräusche. Kein Boden. Kein Gefühl.

„Lotte“, sagte eine Stimme, „würdest du führen, wenn du nicht sehen kannst?“

Sie zögerte. Dann setzte sie einen Schritt – ins Nichts. Und wurde getragen.

Ein weiterer Schritt. Dann noch einer.

Nach und nach begannen unter ihren Pfoten leuchtende Zeichen zu erscheinen – und der Raum füllte sich mit Licht. Am Ende des Weges: ein Tor. Dahinter Rosa.

„Dein Weg ist klar. Weil du vertraust.“

Und sie wurde zurückgezogen.

Die Wiedervereinigung

Die fünf Pfade verschmolzen wieder zu einem. Alle waren zurück. Der Lichtgang schloss sich hinter ihnen – und vor ihnen öffnete sich ein riesiger Raum. In der Mitte: eine Kugel aus Licht. Darin – Rosa. Lebendig, aber schlafend.

Um sie herum: Schatten. Viele. Unruhig. Wabernd. Aber sie wagten es nicht, näher zu kommen.

„Sie hat sie gebannt“, sagte Korax. „Mit ihrer bloßen Präsenz.“

„Dann wird es Zeit, sie zu holen“, sagte Saphira.