Die Schnabelpfoten – Folge 25: Der Pfad unter der Stadt – Titelbild

Die Schnabelpfoten – Folge 25: Der Pfad unter der Stadt

Die Tür schloss sich hinter ihnen mit einem leisen, aber endgültigen Geräusch. Der Gang, der sich vor ihnen auftat, war schmal und von kaltem, feuchtem Stein eingefasst. Moose leuchteten schwach an den Wänden, spendeten ein fahles, grünliches Licht.

„Wir sind… tief unter Bellhausen“, flüsterte Emil ehrfürchtig.

„Oder unter dem, was davon übrig ist“, ergänzte Korax. „Dieser Teil gehört nicht mehr zur Karte.“

Trixie schnupperte. „Irgendetwas in der Luft ist anders. Metallisch… wie alte Schienen.“

Lotte ging voraus, ihre Schritte fest und ruhig. Saphira hielt sich nah bei Basil, der wieder aufgeregt plapperte, obwohl er sich Mühe gab, leise zu bleiben.

Die verlorene Station

Nach einer halben Stunde entdeckten sie ein altes Stationsschild: Unterstation Bellhausen Nord. Dahinter ein verlassener Bahnsteig, an dessen Ende eine rostige Lore stand.

„Das war mal eine Untergrundbahn“, stellte Emil fest. „Oder eine geheime Verbindung?“

„Was auch immer es war“, sagte Saphira, „es führt weiter. Und das reicht uns.“ Sie kletterten in die Lore – zu fünft war es eng, aber machbar. Korax setzte sich vorne ans Steuerpult. Die Hebel waren schwergängig, aber mit etwas Ruckeln und Zischen begann sich die Lore langsam zu bewegen.

Tunnel der Stimmen

Der Tunnel war eng, schwarz und durchzogen von alten Stromleitungen. Doch was ihnen bald auffiel, waren die Geräusche. Nicht das Rattern der Lore – sondern Stimmen.

Flüstern.

„Sie kommen…“

„Zu spät…“

„Er ist erwacht…“

Trixie zog sich eng an Lotte. „Ich dachte, wir hätten das Schlimmste hinter uns.“

Lotte antwortete nicht. Ihre Augen waren nach vorn gerichtet. Wachsam. Entschlossen.

Die Halle der Zahnräder

Die Lore kam ruckelnd zum Stehen vor einem gewaltigen Raum: Eine Halle, durchzogen von ineinandergreifenden Zahnrädern, Rohren und dampfenden Ventilen. In der Mitte: Eine Plattform mit einem Sockel.

Darauf lag… ein Buch.

„Das ist kein normales Buch“, sagte Korax sofort. „Es atmet.“

Tatsächlich hob und senkte sich das Leder, als hätte es Lungen. Als Basil es berühren wollte, zuckte es zurück – wie ein Tier.

„Es sucht jemanden“, sagte Emil. „Es reagiert auf… Erinnerung.“

Korax trat vor. „Vielleicht will es gelesen werden.“

Er berührte das Buch – und wurde augenblicklich in Licht gehüllt. Die anderen riefen seinen Namen, doch er war verschwunden.

Die Warnung

Als Korax zurückkehrte, war seine Stimme verändert. Dunkler. Schwerer.

„Ich habe gesehen, was kommen wird“, sagte er. „Und wir haben weniger Zeit, als wir dachten.“

„Was hast du gesehen?“ fragte Lotte.

„Ein Ort. Hoch über der Stadt. Eine Art Turm. Dort endet alles. Oder beginnt.“

„Der Turm der Namenlosen“, hauchte Trixie.

„Und Rosa?“ fragte Basil.

Korax nickte. „Sie ist dort. Aber sie ist nicht mehr allein.“ Ein kalter Luftzug wehte durch die Halle. Zahnräder quietschten. Und irgendwo im Dunkel öffnete sich ein weiteres Tor.