Ein Junge steht vor einer fantastischen Maschine aus Messing, Glasröhren und leuchtenden Wunschzetteln

Emil und die Maschine für leise Wünsche

Emil baute die Wunschmaschine aus einem alten Grammofon, zwei Fahrradlampen und dem Motor einer Nähmaschine. Sie erfüllte keine Wünsche. Sie machte nur jene hörbar, die Menschen kaum auszusprechen wagten.

Als Emil den Trichter auf den Dorfplatz stellte, flüsterte die Maschine: Ich möchte wieder mit meiner Tochter reden. Dann: Ich würde gern tanzen lernen. Und: Bitte fragt mich einmal, wie es mir geht. Niemand wusste, wem die Wünsche gehörten. Trotzdem begannen die Bewohner, aufmerksamer zu werden.

Der Tanzlehrer bot einen Anfängerkurs an. Im Café entstand ein Tisch für Menschen, die Gesellschaft suchten. Manche leisen Wünsche fanden einen Weg, ohne dass ihre Besitzer sich zeigen mussten.

Dann entdeckte der Bürgermeister die Maschine. Er stellte ein großes Mikrofon davor und rief seinen Wunsch nach einem neuen Rathaus hinein. Geschäftsleute verlangten Parkplätze, Besucher kostenloses Eis, Kinder drei Ferientage pro Woche. Die lauten Wünsche drängten die leisen an den Rand. Die Maschine ratterte, spuckte Papier und begann zu rauchen.

Emil zog den Stecker, doch der Lärm ging weiter. Im Inneren hatten sich Wünsche zu einem wirren Knäuel verknotet. Um es zu lösen, musste es im ganzen Dorf eine Stunde still sein. Der Bürgermeister hielt das für unmöglich. Emil stellte die rauchende Maschine vor seine Tür und wartete.

Zuerst schwiegen nur wenige. Dann stellte die Bäckerin ihre Knetmaschine ab, der Busfahrer den Motor, und nach und nach verstummten Werkzeuge, Telefone und Gespräche. Selbst die Kirchenglocke setzte einmal aus. In der Stille hörten die Menschen Wind, Schritte und schließlich einen winzigen Wunsch aus der Maschine: Ich möchte nicht immer überhört werden.

Das Knäuel löste sich. Emil baute die Maschine um. Sie reagierte fortan nur auf Stimmen unterhalb eines Flüsterns. Wer einen lauten Wunsch hatte, musste ihn selbst vertreten und mit anderen aushandeln.

Der Wunsch nach dem Rathaus wurde diskutiert und abgelehnt. Der Tanzkurs blieb. Der Tisch im Café ebenfalls. Emil erfuhr nie, wie viele Wünsche wirklich erfüllt wurden.

Manchmal stellte er die Maschine nachts ans offene Fenster. Dann fing sie Wünsche auf, die nicht einmal zu Worten geworden waren. Sie leuchtete nur schwach, als atme jemand im Schlaf. Emil schrieb nichts auf. Nicht jeder leise Wunsch brauchte sofort eine Lösung. Manche brauchten zunächst einen sicheren Ort, an dem sie überhaupt gehört werden konnten.