Eine ältere Frau trinkt Tee mit einem kleinen freundlichen Haushaltsroboter in einer gemütlichen Küche

Frau Eilers und der höfliche Roboter

Frau Eilers bekam den Roboter von ihrem Sohn. Er hieß H-7, saugte, trug Einkäufe und erinnerte an Medikamente. Vor allem war er unerträglich höflich. „Darf ich bitte den Flur reinigen?“, fragte er. „Vielen Dank für die freie Steckdose.“

Frau Eilers gab knappe Befehle. „Mach sauber. Hol Wasser. Ruhe jetzt.“ H-7 gehorchte, bis sie eines Morgens sagte: „Ich dumme alte Frau habe schon wieder den Schlüssel vergessen.“ Der Roboter blieb stehen. Auf seinem Display erschien: Selbstbeleidigung erkannt. Auftrag pausiert, bis respektvolle Formulierung vorliegt.

Frau Eilers schimpfte. H-7 pausierte sämtliche Aufgaben. Erst als sie sagte: „Ich habe meinen Schlüssel vergessen und brauche Hilfe“, setzte er sich in Bewegung. Ihr Sohn behauptete, diese Funktion nicht programmiert zu haben.

Von da an achtete H-7 darauf, wie Menschen im Haus über sich selbst sprachen. Herr Brandt durfte nicht mehr behaupten, er sei zu ungeschickt für sein Telefon. Die Studentin im Dachgeschoss musste aus „Ich bin eine Versagerin“ den Satz „Diese Prüfung war schwer“ machen, bevor der Roboter ihren Einkauf trug. Anfangs waren alle genervt.

Dann bemerkte Frau Eilers, wie oft sie sich selbst kleiner machte. Zu alt für einen Ausflug. Zu langsam für den Chor. Zu vergesslich für neue Aufgaben. H-7 widersprach nicht mit Trost. Er verlangte nur präzisere Sätze. Aus „zu alt“ wurde „unsicher, weil ich lange nicht gereist bin“. Damit ließ sich etwas anfangen.

Frau Eilers meldete sich für eine Tagesfahrt an. Später trat sie dem Chor bei. H-7 saß bei der ersten Probe hinten und blinkte im Takt. Als Frau Eilers einen Einsatz verpasste, sagte sie automatisch: „Ich bin hoffnungslos.“ Der Roboter piepte. Sie korrigierte sich: „Ich brauche diese Stelle noch einmal.“ Die Chorleiterin spielte sie noch einmal.

Nach einem Jahr sollte H-7 durch ein neueres Modell ersetzt werden. Das ganze Haus protestierte. Der Hersteller prüfte das Gerät und fand einen Fehler im Sprachmodul: Es hatte Höflichkeitsregeln versehentlich auch auf innere Rede angewandt. Man bot an, den Fehler zu beheben.

Frau Eilers lehnte ab. „Er funktioniert richtig“, sagte sie. H-7 drehte sich zu ihr. „Vielen Dank für die sachliche Bewertung.“ Danach saugte er den Flur, sehr gründlich und ohne sich dafür zu entschuldigen.