Der Drache saß am Sonntag auf dem Balkon und fraß die Geranien. Er war ungefähr so groß wie ein Schäferhund, grün und offenbar hungrig. Familie Kern ließ ihn herein, weil es regnete und weil niemand eine Anleitung für diesen Fall besaß.
Der Drache hieß vermutlich Flammbert. Zumindest reagierte er auf den Namen. Er röstete Toast mit einem Niesen, verbrannte dabei aber die Gardine. Frau Kern stellte einen Eimer Wasser bereit. Herr Kern suchte im Internet nach „Drachen artgerecht frühstücken“. Die Ergebnisse empfahlen Gold, Jungfrauen oder Datenschutzrichtlinien.
Flammbert mochte Eier, besonders samt Schale. Nach zwölf Stück fraß er den Eierkarton und legte sich unter den Tisch. Die Nachbarn kamen, um ihn zu sehen. Herr Behrens brachte Würstchen, die Kinder Marshmallows. Bald sah die Küche aus wie ein mittelalterlicher Grillplatz.
Das Problem begann, als Flammbert seinen Besitzerinstinkt entdeckte. Er sammelte glänzende Löffel, Schlüssel und Telefone zu einem Schatzhaufen im Wohnzimmer. Wer etwas zurückholen wollte, wurde angeknurrt. Die Hausgemeinschaft berief eine Versammlung ein.
Die zehnjährige Liv bemerkte, dass Flammbert nicht Gold bewachte, sondern Aufmerksamkeit. Sobald alle den Raum verließen, folgte er. Sie tauschten den Schatz gegen einen großen Spiegel und bauten ihm auf dem Hof eine wetterfeste Höhle aus alten Ziegeln. Dort konnte er sich selbst und Besucher bewundern.
Ein Tierpark wollte Flammbert übernehmen. Die Familie war einverstanden, doch der Drache weigerte sich, in den Transporter zu steigen. Erst als Liv einen Frühstückstisch hinein stellte, folgte er freiwillig. Im Park bekam er ein großes Gehege und eine Brandschutzbeauftragte.
Jeden Sonntag besuchte Familie Kern ihn zum Frühstück. Flammbert wuchs. Bald konnte er mit einem Niesen zwanzig Toastscheiben gleichzeitig rösten. Der Tierpark eröffnete ein Drachencafé, dessen Einnahmen die ungewöhnlich hohe Versicherung bezahlten.
Die Geranien auf dem Balkon erholten sich nie. Frau Kern pflanzte stattdessen feuerfeste Kräuter. Neben der Balkontür hängt noch immer der Wassereimer.
Man weiß schließlich nie, wann Flammbert Urlaub braucht. Außerdem hat Herr Kern festgestellt, dass Toast aus einem gewöhnlichen Toaster seitdem enttäuschend unpersönlich schmeckt.

