Die Schnabelpfoten – Folge 21: Schatten unter Wurzeln – Titelbild

Die Schnabelpfoten – Folge 21: Schatten unter Wurzeln

Die unterirdische Halle lag noch immer in Stille. Die Stimme, die aus dem Nichts gekommen war, hatte etwas hinterlassen: eine Spannung in der Luft, kaum greifbar, aber schwer wie Nebel. Die Freunde standen noch immer um das Pult mit der alten Karte, während das Pulsieren des violetten Steins in Lottes Tasche allmählich schwächer wurde – so als habe er seinen Zweck für den Moment erfüllt.

„Wir sollten hier nicht bleiben“, sagte Trixie mit leiser Stimme. „Ich habe das Gefühl, dass wir beobachtet werden.“

„Von wem?“ fragte Basil und sah sich um. Er sprach es locker aus, aber seine Pfoten zitterten leicht.

Korax trat einen Schritt zurück. „Die Wurzeln an der Wand… seht ihr das? Sie wachsen… falsch. Gegen die Schwerkraft.“

Tatsächlich: Einige Wurzeln zogen sich spiralförmig an der Decke entlang, als folgten sie einem unsichtbaren Muster.

„Es ist wie ein Netz“, flüsterte Lotte. „Oder eine Spur.“

Saphira knurrte leise. „Ich will hier raus. Jetzt.“

Sie kehrten langsam zurück zur Treppe – doch da hörten sie ein dumpfes Grollen. Nicht laut. Eher wie ein entferntes, tiefes Atmen.

„Nicht stehen bleiben!“, rief Korax plötzlich. „Schnell!“ Sie rannten. Die Stufen knarrten, bröckelten, aber hielten. Als sie ins Freie traten, war die Sonne bereits tief am Himmel. Doch irgendetwas war anders.

Der Garten, den sie beim Eintreffen durchquert hatten, war verändert. Die Farben stumpfer. Die Luft schwerer. Und am Torbogen: eine neue Rune. Glühend. Noch warm.

„Jemand war hier“, flüsterte Emil. „Während wir unten waren.“

Die Nachricht im Gras

Korax entdeckte sie zuerst: Ein flacher Stein, sorgfältig in das Gras gelegt. Darauf: ein eingeritzter Satz.

„Ihr kommt zu spät. Der Kreis hat sich längst geschlossen.“

„Was soll das bedeuten?“ fragte Basil.

Trixie antwortete, ohne aufzusehen: „Es bedeutet, dass Rosa vielleicht nicht vorausgegangen ist… sondern gefangen wurde.“

Saphira knurrte. „Wer immer das geschrieben hat – er weiß, dass wir kommen.“

Lotte legte den Kopf schräg. „Dann gehen wir weiter. Aber diesmal vorbereitet.“ Ein alter Bekannter

Als sie das Gelände verließen, führte Emil sie zu einem nahegelegenen Schuppen – einem verlassenen Försterhäuschen, von dem nur noch das Gerippe stand. Doch darin saß jemand.

Ein alter Waschbär, zerzaust, aber wachsam. Er sah auf, als sie kamen.

„Ihr sucht die Lichtnuss? Dann seid ihr zu spät.“

„Wer bist du?“ fragte Saphira.

„Ein Freund von Rosa. Und euer letzter Hinweisgeber, wenn ihr nicht aufpasst.“

Er erzählte von einer Gruppe – den Wurzelfängern –, die vor Jahren begonnen hatte, das natürliche Gleichgewicht unter der Stadt zu stören. Sie suchten nach Energiequellen in alten magischen Objekten – wie dem violetten Stein.

„Rosa hat sie entdeckt. Deshalb ist sie verschwunden.“

Korax sog hörbar die Luft ein. „Und was ist mit dem Schatten?“

Der Waschbär sah ihn an, ernst. „Der Schatten ist kein Wesen. Er ist ein Echo. Von allem, was verloren ging – und was niemand loslassen konnte.“

Lotte trat vor. „Dann wird es Zeit, dass wir ihn finden.“