Jona fand den Pfad am Morgen vor seiner Abreise. Er hatte eine Stelle in einer fernen Stadt angenommen, war sich aber nicht sicher, ob er fortwollte. Hinter seinem Haus lagen plötzlich weiße Steine im Gras. Sie führten in den Wald.
Seine Großmutter kannte die Geschichte. Der Pfad erscheine Menschen, die zwischen zwei Wegen feststeckten. Am Ende zeige er die richtige Entscheidung. Jona folgte ihm erleichtert. Endlich sollte jemand anderes wählen.
Der Pfad teilte sich jedoch immer wieder. Ein Ast führte zu einer Lichtung mit hohen Häusern aus Nebel, ein anderer zu einem Garten neben seinem Elternhaus. Jona nahm abwechselnd beide Richtungen und kehrte stets zum selben Felsen zurück.
Dort saß eine Frau und sortierte weiße Steine. Sie hieß Yara und wartete seit Jahren auf ein eindeutiges Ende. „Vielleicht ist der Pfad kaputt“, sagte sie. Jona hob einen Stein auf und legte ihn abseits der vorhandenen Linie. Nichts geschah. Dann setzte er einen zweiten dahinter. Ein neuer Weg begann.
Yara erschrak. Niemand hatte ihr gesagt, dass man die Steine bewegen durfte. Gemeinsam bauten sie einen Pfad zur nächsten Anhöhe. Von dort sah Jona sowohl seine Heimat als auch die Straße zur Stadt. Keine Aussicht verschwand.
Er verstand, dass die Entscheidung nicht zwischen vollständigem Bleiben und endgültigem Gehen liegen musste. Er konnte die Stelle ausprobieren, regelmäßig zurückkehren und später neu entscheiden. Yara legte ihre Steine in Richtung eines Dorfes, das sie schon lange besuchen wollte.
Am Abend nahm Jona drei weiße Steine mit. Seine Großmutter behauptete, das sei unmöglich; Pfadsteine ließen sich nicht aus dem Wald tragen. Trotzdem lagen sie in seiner Tasche. In der neuen Stadt stellte er sie auf die Fensterbank.
Die Arbeit war anstrengend, das Leben fremd. Manche Tage wollte Jona sofort zurück. Er blieb ein halbes Jahr, lernte Menschen kennen und entschied dann bewusst, in eine kleinere Stadt näher an der Heimat zu ziehen. Es war weder der alte noch der zunächst gewählte Weg.
Eines Morgens fehlten die Steine auf der Fensterbank. Vielleicht brauchte sie jemand anderes. Jona suchte nicht nach ihnen. Der Pfad hatte ihm keine Antwort gezeigt. Er hatte ihm beigebracht, dass Wege nicht nur gefunden werden. Manchmal entstehen sie erst, wenn jemand den ersten Stein aus der sicheren Reihe nimmt.

