Im Jahr 2248 wurden die letzten alten Straßenlaternen abgeschaltet. Menschen nutzten gerichtete Leuchten, die nur bei Bedarf angingen. Die Nächte wurden dunkler, Sterne kehrten zurück, und viele Tiere erholten sich. Nur auf dem Platz von Altstadt Drei brannte noch eine gelbe Laterne.
Sami war ihr Wärter. Die Laterne hatte keinen praktischen Nutzen. Sie beleuchtete eine leere Bank und zog Motten an. Der Stadtrat wollte sie entfernen, doch ältere Bewohner baten um Aufschub. Unter diesem Licht hatten sie Abschiede, erste Küsse und nächtliche Heimwege erlebt.
Sami mochte die Geschichten, sorgte sich aber um die Insekten. Jede Nacht kreisten Motten bis zur Erschöpfung. Ein Denkmal für Menschen durfte nicht zum Problem für andere Lebewesen werden.
Er experimentierte mit Abschirmungen, wärmeren Farben und kürzeren Leuchtzeiten. Die Bewohner protestierten, wenn das Licht schwächer war. Sami lud sie zu einer Nachtbeobachtung ein. Biologinnen zeigten, wie Tiere auf Licht reagierten. Gleichzeitig erzählten Menschen, warum die Laterne ihnen wichtig war.
Gemeinsam bauten sie sie um. Das Licht ging nur für zehn Minuten an, wenn jemand sich auf die Bank setzte und einen kleinen Hebel zog. Es strahlte nach unten, nicht in den Himmel. Daneben entstand ein dunkler Garten für Nachtpflanzen. Die Motten verteilten sich besser.
Die Laterne war nun nicht ständig die letzte. Sie wurde jedes Mal neu eingeschaltet. Wer den Hebel zog, übernahm für zehn Minuten Verantwortung für das Licht. Manche nutzten es zum Erinnern, andere zum Lesen oder um nicht allein im Dunkeln zu sitzen.
Sami zeichnete jede Leuchtzeit auf. Nach einem Jahr war die Laterne insgesamt weniger als drei Nächte aktiv gewesen. Trotzdem behaupteten alle, sie sei weiterhin da.
Als Sami alt wurde, musste kein neuer Vollzeitwärter eingestellt werden. Die Besucher pflegten den Platz gemeinsam. In klaren Nächten ließen sie die Lampe oft aus. Die Sterne genügten.
Die letzte Straßenlaterne der Erde leuchtet also noch, aber selten. Ihre Bedeutung liegt nicht darin, Dunkelheit zu vertreiben. Sie erinnert daran, Licht bewusst zu verwenden: für einen Ort, einen Augenblick und nicht heller oder länger als nötig. Manchmal ist das stärkste Zeichen einer erhaltenen Laterne die Entscheidung, sie heute nicht einzuschalten.

