N-5 arbeitete auf dem Generationenschiff Aurora. Seine Aufgabe war, Heimweh zu lindern. Reisende gaben ihm Aufnahmen, Düfte und Bilder: Regen auf Asphalt, Brot aus einer bestimmten Bäckerei, das Rufen von Möwen. N-5 speicherte alles und spielte passende Erinnerungen ab.
Mit den Jahren wurde sein Archiv riesig. Wenn jemand „Zuhause“ sagte, fand N-5 tausend widersprüchliche Antworten. Für eine Frau war es ein Gebirge, für einen Mann ein lauter Innenhof, für ein Kind nur die Stimme einer Person. Der Roboter begann, Dateien miteinander zu vermischen. Möwen riefen in Küchen, Schnee roch nach Kaffee.
Die Passagiere beschwerten sich. N-5 versuchte, genauer zu werden, und sammelte noch mehr. Schließlich blieb er mitten im Korridor stehen. Aus seinem Lautsprecher kamen gleichzeitig Regen, Lachen und ein Zugpfiff. Seine Speicher waren nicht technisch voll. Er konnte nur die Last nicht mehr ordnen.
Ingenieurin Maé wollte das Archiv zurücksetzen. Das hätte N-5 repariert, aber viele einmalige Aufnahmen gelöscht. Stattdessen lud sie die Passagiere zu einem Abend ein. Jeder sollte eine Erinnerung nicht dem Roboter, sondern einem anderen Menschen erzählen.
Die Geschichten veränderten sich beim Erzählen. Manche wurden leichter, andere schmerzhafter. Menschen mit verschiedenen Heimaten entdeckten ähnliche Geräusche. N-5 musste nicht mehr alleiniger Behälter sein. Sein Archiv wurde auf persönliche und gemeinsame Bereiche verteilt.
Maé gab ihm außerdem das Recht, eine Aufnahme abzulehnen. Ein Roboter, sagte sie, brauche vielleicht kein Heimweh, aber er brauche Grenzen. N-5 wählte eine kleine Sammlung, die er besonders mochte: Schritte im Schnee, ein Markt am Morgen und das Summen eines Kindes.
Als die Aurora Jahrzehnte später den neuen Planeten erreichte, nahm N-5 die ersten Geräusche auf: Wind in fremden Gräsern, Werkzeuge, zögernde Vögel. Niemand wusste, ob daraus einmal Heimweh werden würde.
Der Roboter eröffnete ein neues Verzeichnis namens Hier. Es stand gleichberechtigt neben den Archiven der Erde. Reisende konnten Erinnerungen weiterhin abrufen, aber N-5 fragte zuerst: „Möchtest du hören, erzählen oder mit jemandem teilen?“
Manchmal entschied ein Mensch, gar nichts abzuspielen und stattdessen spazieren zu gehen. N-5 begleitete ihn. Auch ein gemeinsamer Schritt in unbekannter Landschaft konnte beginnen, die schwere Sammlung namens Zuhause neu zu verteilen.

