Ein chaotischer Gemeinderat diskutiert vor einem Kalender, aus dem der Mittwoch ausgeschnitten ist

Die Gemeinde gegen den Mittwoch

Der Gemeinderat von Kleinwede beschloss einstimmig, den Mittwoch abzuschaffen. Bürgermeisterin Rupp nannte ihn „den unproduktivsten Tag der Woche“. Er liege weder am Anfang noch am Ende, und die Müllabfuhr komme ohnehin donnerstags.

Am ersten Versuch folgte auf Dienstag direkt Donnerstag. Die Menschen freuten sich. Doch der Wochenmarkt fehlte, die Schule suchte zwei Stunden Mathematik, und beim Bäcker gingen 300 Mittwochsbrötchen auf, für die kein Tag zuständig war.

Die Verwaltung gründete eine Arbeitsgruppe zur Verteilung mittwöchlicher Aufgaben. Sie tagte dienstags, weil es Mittwoch nicht mehr gab. Bald dauerte der Dienstag bis tief in die Nacht. Vereine stritten um Hallenzeiten. Geburtstagskinder, die an einem Mittwoch geboren waren, verlangten Ersatztermine und rückwirkende Torten.

Besonders schwierig wurde die Kalendertechnik. Digitale Geräte sprangen weiterhin auf Mittwoch. Der Gemeinderat beauftragte einen Programmierer, doch der verlangte für jede Uhr, jedes Telefon und jede Mikrowelle eine eigene Lösung. Das eingesparte Tagesbudget war nach einer Woche aufgebraucht.

Dann erschien Frau Lüttich mit dreizehn Hühnern vor dem Rathaus. Die Tiere legten mittwochs besonders viele Eier und weigerten sich, ihre Biologie an kommunale Beschlüsse anzupassen. Hinter ihr standen der Marktverein, die Tanzgruppe und ein Mann, der seit drei Wochen auf seinen Mittwochszug wartete.

Bürgermeisterin Rupp berief eine Sondersitzung ein. Ausgerechnet an einem Mittwoch, weil alle anderen Tage überfüllt waren. Sobald die Sitzung begann, erschien der verschwundene Wochentag wieder. Er war leicht zerknittert und roch nach abgestandenen Sitzungen.

Der Rat setzte den Beschluss außer Kraft. Mittwoch wurde offiziell als „wichtiger mittlerer Tag“ anerkannt. Zum Ausgleich erhielt er ein eigenes Fest mit Markt, Musik und Hühnerwettbewerb. Das Fest verursachte natürlich neue Planungssitzungen.

Heute hängt im Rathaus ein Kalender mit sieben deutlich sichtbaren Tagen. Unter Mittwoch steht: Nicht abschaffen. Auch nicht probeweise. Bürgermeisterin Rupp behauptet, sie habe das immer gesagt.

Einmal schlug ein Ratsherr vor, den Montag zu verkürzen. Dreizehn Hühner erschienen innerhalb von zehn Minuten vor dem Fenster. Der Antrag wurde ohne Aussprache zurückgezogen. Seitdem arbeitet Kleinwede an seiner Effizienz, indem es alle vorhandenen Tage benutzt – manche mehr, manche weniger und Mittwoch mit besonderem Respekt.