Die Schnabelpfoten – Folge 18: Theater, Trubel und ein ganz großer Auftritt – Titelbild

Die Schnabelpfoten – Folge 18: Theater, Trubel und ein ganz großer Auftritt

Die Sonne stand hoch am Himmel, als die Schnabelpfoten auf dem Rückweg durch das nördliche Viertel von Klein-Bellhausen schlenderten. Sie hatten keinen Plan, nur Zeit. Und diese Zeit wollten sie genießen – ohne Schatten, ohne Rätsel, ohne gruselige Türme.

„Seht mal!“, rief Basil plötzlich und zeigte auf ein altes Gebäude aus Backstein mit bunten Bannern über dem Eingang. Auf einem davon stand in verschnörkelter Schrift: „Großes Sommertheater – Nur heute: Das Stück ohne Namen!“

„Ein Stück ohne Namen?“ Trixie hob eine Augenbraue. „Wie… literarisch.“

„Oder wie chaotisch“, murmelte Korax. Doch sie näherten sich neugierig.

Im Innern des Gebäudes herrschte hektisches Gewusel. Eine Gruppe aufgeregter Tiere – darunter ein Stinktier mit Lippenstift, ein nervöser Dachs in Frack und eine schnatternde Gans mit Federboa – liefen durcheinander. Requisiten wurden umhergetragen, Kostüme flatterten durch die Luft, ein Igel stand auf einer Leiter und befestigte einen Kronleuchter mit Nähgarn.

„Oh, oh, oh! Ihr da!“, rief eine Stimme. Eine Schildkröte mit Theaterschal und knallroter Brille kam auf die Freunde zu. „Seid ihr zufällig… spontan talentiert?“

„Ähm… was?“ fragte Saphira, vorsichtig einen Schritt zurücktretend.

„Wir brauchen Ersatz! Die halbe Truppe hat sich verkühlt, eine Gans ist durchgedreht und unser Hauptdarsteller hat sich in einem Umhang verheddert und weigert sich, wieder herauszukommen!“

„Ein ganz normaler Theaterdonnerstag also“, stellte Korax trocken fest.

Und so geschah es, dass die Schnabelpfoten – ohne Proben, ohne Text – plötzlich Teil eines völlig absurden Theaterstücks wurden.

Akt I: Die Königin, der Dieb und das

fliegende Kissen

Trixie bekam die Rolle der listigen Königin – mit einer Krone aus Pappmaché und einem glitzernden Umhang, der nach Lavendel roch. Saphira spielte die tapfere Leibwächterin mit einem Löffel als Schwert. Basil sollte einen Dieb darstellen, der ständig Dinge stahl – aber aus Versehen die falschen. Korax war der allwissende Erzähler mit einer Glocke, die bei jeder Pointe bimmelte.

Lotte? Sie sollte laut Regisseurin „das mystische Tier aus dem Schattenreich“ sein. Keiner wusste, was das bedeutete – am wenigsten Lotte.

Der Vorhang hob sich. Das Publikum – vor allem Schulklassen, einige ältere Waschbären und ein Dutzend skeptischer Meerschweinchen – wartete gespannt.

Trixie trat mit erhobenem Haupt auf die Bühne. „Ich… äh… befehle, dass man mir… Tee bringt! Und eine Lösung für… den großen… Konflikt!“

Saphira rief energisch: „Der Tee ist kalt, Majestät! Doch der Mut – der ist heiß!“ Und führte ein wildes Schwert-Löffel-Ballett auf.

Basil stürmte hinein, schnappte sich aus Versehen den Thron, stolperte rückwärts in eine Topfpflanze und landete kopfüber im Orchestergraben. Die Gans mit der Federboa fiel beinahe in Ohnmacht vor Lachen.

Korax bimmelte. „Und so kam es, dass das Königreich… auf dem Teppich saß.“

Lotte trat nun ins Licht, in einem langen, weiten Mantel mit aufgemalten Sternen. Sie sagte nichts. Stand einfach nur da. Und das Publikum hielt den Atem an. Für eine Sekunde war da echte Magie.

Dann nieste Basil.

Akt II: Das Gedächtnis der Bohne und ein

überraschender Walzer

Nach einer mehr oder weniger geplanten Pause ging es weiter – mit neu erfundenen Dialogen, wild durcheinandergeworfenen Kostümen und einem Walzer zwischen Saphira und einem halb entkleideten Plüschpinguin.

Trixie ließ einen Vorhang auf den Erzähler fallen. Korax sprach weiter, als sei nichts geschehen.

Lotte rollte mit den Augen. „Ich glaube“, sagte sie leise zu Saphira, „wir stecken in einem sehr seltsamen Traum.“

„Dann hoffe ich, ich wache nicht zu früh auf“, grinste Saphira.

Das Publikum tobte. Die Kinder kicherten, die Erwachsenen lachten Tränen. Niemand wusste mehr, worum es im Stück ging – aber alle waren dabei.

Am Ende gab es tosenden Applaus. Der Vorhang fiel. Die Regisseurin schwenkte ein Taschentuch. „So… so… so fabelhaft dilettantisch! Ihr wart wunderbar!“

Sie bekamen Gänseblümchensträuße, Bonbons, eine Tüte voll Theaterkonfetti und – zur Überraschung aller – einen Gutschein für „eine Nacht im luxuriösen Theatersaal mit Kissenlager und Mitternachtssuppe“.

Später Abend: Bühne des Glücks

Im Theatersaal wurden Decken ausgebreitet. Sie lagen inmitten von Requisiten: goldene Kronen, Plastikbananen, Zauberstäbe und einem singenden Kissen, das bei jeder Berührung „Applaus!“ rief.

„Ich wusste gar nicht, dass ich schauspielern kann“, murmelte Basil und schnappte sich einen der Bonbons.

„Das war kein Schauspiel“, sagte Trixie. „Das war Improvisation im Grenzbereich.“

„Ich fand’s herrlich“, sagte Saphira. „Ein bisschen Unsinn kann nicht schaden.“

Lotte lächelte. „Manchmal ist das Leben verrückter als jedes Stück. Und schöner.“

Und als sie sich alle in die Kissen kuschelten und das singende Kissen langsam verstummte, dachten sie für einen Moment nicht an Schatten, Karten oder Gefahr.

Sondern nur daran, wie herrlich leicht ein Tag sein kann.