Frieda gehörte offiziell dem Portier des Hafenhotels. Tatsächlich gehörte das Hotel Frieda. Sie kontrollierte jeden Koffer, kannte die besten Sonnenplätze und bemerkte sofort, wenn ein Gast traurig eincheckte. Dann legte sie sich vor dessen Tür, bis jemand sie hereinbat.
An einem Freitag kam Frau Berg mit einem kleinen grünen Koffer. Sie war achtzig, reiste allein und trug eine silberne Brosche in Form eines Schiffes. Am nächsten Morgen war die Brosche verschwunden. Frau Berg wollte keine Polizei. Das Schmuckstück sei nicht wertvoll, sagte sie, nur die letzte Erinnerung an ihre Schwester.
Frieda schnupperte am leeren Etui. Die Spur führte nicht zur Straße, sondern durch das Treppenhaus, in den Frühstückssaal und hinunter zur Wäschekammer. Dort fand sie einen blauen Faden. Derselbe Stoff hing am Ärmel eines jungen Gastes namens Tim. Er stritt alles ab und wurde blass, als der Portier ihn ansprach.
Frieda glaubte nicht, dass Tim ein Dieb war. Sein Geruch führte weiter zum alten Lastenaufzug. Hinter der Tür klemmte ein Reinigungstuch. Als Frieda bellte, hörten alle ein leises Kratzen im Schacht. Der Hotelrabe Kasimir hatte die glänzende Brosche gestohlen und in seinem Nest auf dem Aufzug abgelegt. Tim hatte versucht, sie zu holen, war aber ertappt worden und aus Angst davongelaufen.
Der Aufzug durfte nicht bewegt werden. Der Portier befestigte Friedas Geschirr an einem Seil und ließ sie vorsichtig bis zum Nest hinab. Frieda fand die Brosche zwischen Teelöffeln, Münzen und drei Zimmerschlüsseln. Kasimir protestierte vom Dach aus, akzeptierte später aber eine Handvoll Walnüsse als Entschädigung.
Frau Berg steckte die Brosche wieder an. Tim erzählte, er habe seine kleine Schwester im Jahr zuvor verloren. Als er Frau Berg über ihre Schwester sprechen hörte, habe er helfen wollen, aber nicht gewusst wie. Die beiden verbrachten den Nachmittag auf der Terrasse. Frau Berg zeigte alte Fotos, Tim hörte zu.
Frieda erhielt zum Dank ein rotes Halstuch mit der Aufschrift Hoteldetektivin. Sie trug es nur bei wichtigen Fällen. Meist reichte ihre gewöhnliche Arbeit: Koffer prüfen, traurige Gäste finden und Kasimir daran erinnern, dass glänzende Dinge nicht automatisch Rabeneigentum waren.
Seitdem besitzt das Hotel ein neues Fundregal. Es steht allerdings weit vom Lastenaufzug entfernt und wird jede Nacht von einer sehr kurzen, sehr gründlichen Dackeldame bewacht.

