Drei neugierige Alpakas laufen durch eine Kleinstadt und blicken freundlich in ein Schaufenster

Das Geheimnis der drei Alpakas

Die Alpakas Rosa, Knut und Majestät lebten auf einem kleinen Therapiehof am Stadtrand. Eines Morgens stand das Tor offen. Die drei Tiere waren verschwunden. Hofleiterin Pia fand nur eine Spur aus weichen Wollbüscheln, die in Richtung Stadt führte.

Das erste Büschel klebte an der Bank vor dem Krankenhaus. Dort saß ein Mann, der auf eine Nachricht aus dem Operationssaal wartete. Rosa stand neben ihm und legte den Kopf auf seine Schulter. Nach zehn Minuten atmete er ruhiger. Dann zog das Alpaka weiter.

Knut besuchte eine Schülerin vor dem Prüfungsgebäude. Majestät blockierte den Eingang eines Büros, bis die überarbeitete Chefin endlich eine Pause machte. Überall, wo die Alpakas hielten, blieb etwas Wolle zurück. Die Menschen nahmen die Fasern in die Hand und erzählten plötzlich, was ihnen Sorgen machte.

Pia folgte der Spur. Sie wollte die Tiere schnell zurückbringen, doch die halbe Stadt beteiligte sich inzwischen an der Suche und begegnete dabei Menschen, an denen sie sonst vorbeigegangen wäre. Ein Busfahrer brachte Tee zum Krankenhaus. Die Schülerin bekam Zuspruch von Fremden. Im Büro beschlossen die Angestellten, ihre Pausen nicht länger heimlich am Bildschirm zu verbringen.

Am Abend fanden sich die drei Alpakas auf dem Marktplatz. Dort stand Herr Lüders allein vor seinem geschlossenen Spielzeugladen. Nach vierzig Jahren musste er aufgeben. Er hatte niemandem davon erzählt. Rosa, Knut und Majestät stellten sich schweigend um ihn. Bald kamen auch die Menschen, die ihrer Spur gefolgt waren.

Sie konnten den Laden nicht retten. Aber sie halfen, die letzten Waren zu sortieren, organisierten einen Abschiedstag und fanden für Herrn Lüders einen Platz im Jugendzentrum, wo er künftig Holzspielzeug bauen würde. Als die Arbeit getan war, gingen die Alpakas freiwillig mit Pia nach Hause.

Niemand wusste, wie sie Sorgen fanden. Pia behauptete, Alpakas könnten das Gewicht unausgesprochener Gedanken riechen. Seitdem ließ sie das Tor jeden Mittwoch offen – unter Aufsicht und mit einem gut geplanten Stadtspaziergang.

Die Wollbüschel wurden gesammelt und zu einer großen Decke verarbeitet. Sie liegt im Gemeinschaftshaus. Wer darunter sitzt, muss seine Sorgen nicht erzählen. Meist geschieht es trotzdem. Und manchmal schaut eines der drei Alpakas durch das Fenster, als wolle es prüfen, ob die Decke noch genug tragen kann.